1058. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

schon wieder treffen wir an diesem Sonntag im Evangeliumstext auf Johannes den Täufer. Seine Umkehrbotschaft bekommt hier „Hand und Fuß“. Die Leute, aber auch Zöllner und Soldaten fragen ihn, was sie denn tun müssten, um „Früchte der Umkehr“(Lk 3,8) beizubringen. Und Johannes gibt ihnen konkrete, sehr konkrete Antworten. Vielleicht wollten die Fragenden die Antworten so konkret nun gar nicht hören. Denn das, was Johannes ihnen empfiehlt, verlangt von ihnen eine wirkliche Umkehr. Eine Veränderung ihres bisherigen Denkens und Handelns. Ein Hinterfragen und Verlassen ihrer bisherigen Handlungsmuster. „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat (…) verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist (…) misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!“ Johannes Botschaft ist klar. Umkehr ist nicht zum „Discounterpreis“ zu bekommen.

Das griechische Wort „metanoia“, das mit Umkehr übersetzt wird, bedeutet vom Wortsinn her eigentlich: (meta-noein) um-denken, neu-denken, sich-neu-ausrichten. Um-denken i.S. von Johannes und Jesus meint dann, sich an der Reich-Gottes-Botschaft von Gerechtigkeit, Solidarität, Gleichheit, Freiheit und Frieden für alle und untereinander auszurichten. Und danach handeln, damit „Gott ein Tätigkeitswort werde“, wie es der Schweizer Lyriker und evangelische Pfarrer Kurt Marti formuliert hat.

Im weiteren Lukasevangelium stoĂźen wir später auf verschiedene Personen, die sich konkret und tätig auf diese Botschaft eingelassen haben: der Zöllner Zachäus (Lk 19), der Hauptmann von Kafarnaum (Lk 7) oder auch der barmherzige Samariter (Lk 10), um nur einige zu nennen.  

Mit dem Blick auf den Täufer Johannes stellt sich auch mir die Frage: Wo kann ich um-denken und mein Handeln neu-ausrichten, damit SEINE Botschaft immer mehr in diese Welt hinein „geboren wird“?

 

Adventliche GrĂĽĂźe!

 

Hermann Steinkamp

Redaktion
SonntagsImpulse.de

Das Evangelium von heute (Lk 3,10-18):

In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun?

Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.