1067. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich bitte einmal vor sie wären Fischer (vllt sind Sie es ja auch!). Sie müssten Tag für Tag rausfahren auf die Nord- oder Ostsee, den Bodensee oder ein anderes Gewässer in unserem Land.
Jeden Tag wieder die Sorge, ob genügend Fisch in die Netze geht, um Kosten zu decken, damit Geschäft und Familie über die sprichwörtlichen Runden kommen.
Nach der harten Arbeit – und an diesem Tag auch noch vergeblichen Arbeit – wollen Sie eigentlich nichts mehr, als nur noch nach Hause.
Da kommt ein merkwürdiger Wanderer mit riesigem Gefolge und bittet Sie, ihr Boot als Bühne nutzen zu dürfen. Und zu allem Überfluss sollen Sie dann auch noch einmal rausfahren – nur weil der Typ das sagt.
Würden Sie das tun?
Petrus macht es. Warum bleibt schleierhaft. Vermutlich ist es einfach ein Gefühl, das ihn treibt. Vielleicht die tiefe Sehnsucht, dass sein Leben mehr braucht als nur die Arbeit als Fischer. Vielleicht erkennt er – ohne es zu ahnen – dass mit diesem Mann da etwas „nicht stimmt“ – etwas anders ist als bei anderen Predigern zu der Zeit.
Wie dem auch sei: Sein Gefühl trügt ihn nicht.
Petrus hat am Ende der Erzählung doppelten Erfolg: Das Boot ist voll, der Ertrag gesichert und er hat einen neuen Job: Er soll Menschen fischen gehen.
Wider jedes Verstandes glaubt er Jesus.

Vielleicht ein guter Hinweis an uns: Auch wenn alles dagegen spricht, auch wenn alle lachen, uns für verrückt halten, ablehnen.
Gott ist stärker als all das. Sein Wirken sichert unsere Existenz. Heute wohl eher nicht mehr wirtschaftlich so wie damals bei Petrus.
Aber Gottes verlässliche Zusagen „Ich bin bei euch!“ sichern uns das (Über)-Leben, wenn tagelang Erfolge ausbleiben. Wenn die Not zu groß wird, wenn das Leid kein Ende zu kennen meint.
Für mich eine mehr als tröstende Zusage. Und für Sie?
Ich bin mir sicher, dass es unserer Welt und unserer Kirche an Vertrauen darauf fehlt. Vertrauen darauf, dass Gott mit uns unterwegs ist. Vertrauen darauf, dass da einer ist, der schon weiß, was passieren wird. Der mehr erkennt zwischen Himmel und Erde als alle anderen.
Nicht im Sinne von „ausruhen und andere machen lassen“. Auch nicht gemeint im Sinne von „Lass die da oben mal entschieden, die wissen es ja eh besser!“ Sondern im Sinne der eigenen Gelassenheit. Es wird werden! Weil es bei und mit Petrus und den anderen auch wurde...


Einen gesegneten Sonntag wünscht

Rainer Gelhot
Redaktion
www.sonntagsImpulse.de

Das heutige Evangelium: Lk 5, 1-11:

In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Genesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.