1029. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

‚ÄěFakten, Fakten, Fakten!‚Äú Mit diesem Werbespruch warb Helmut Markwort, seinerzeit Chefredakteur des Focus, in den 1990er Jahren f√ľr selbiges Magazin.
Ihm ging es darum, den Leser und die Leserin mit klaren Fakten zu informieren. N√ľchtern und sachlich. Damals eher ein Novum und durchaus argw√∂hnisch be√§ugt.

Und vielleicht ist diese Haltung heute aktueller denn je. Unsere Welt lebt von klaren, nachvollziehbaren Fakten, von √ľberpr√ľfbaren Wahrheiten, von sachlichen Erkenntnissen.
Gef√ľhle und Emotionen sind da im modernen Journalismus eher ein Randph√§nomen. Sie kommen in bestimmten Geschichten zum Tragen, im Mittelpunkt steht aber eher eine klare und konsequente √ľberpr√ľfbare Wahrheit.

Wie anders muten da die Gleichnisse Jesu an. Sie zeigen sehr bildreich bestimmte Lebensinhalte, bestimmte Glaubensdinge auf. Die Gleichnisse sind Jesu Hilfsmittel, um seinen Zuhören die komplizierten Themen des damaligen Glaubens-Alltags zu erläutern und zu vermitteln.
Mit den Bildern, die damals jeder verstand, wollte Jesus seine Fakten unters Volk bringen. Leicht verständlich, nachvollziehbar und emotionsreich.

Heute geht es um das Reich Gottes: Die Sämann-Bilder waren damals bekannt. Der Senfbaum weit verbreitet.
Die eine Deutung ist ‚Äď na klar- aus kleinsten Dingen kann Gro√ües entstehen und das Reich Gottes kommt pl√∂tzlich und unerwartet. Es bietet Erfrischung und Schutz f√ľr viele Tiere und Menschen und ist ein Wohl-F√ľhl-Ort in der Hitze der Welt. Und gleichzeitig ist dieses Reich schwerlich erkl√§rbar ‚Äď so wie das Wachsen der Saat. Die andere Deutung ist, dass es den bekannten Einsatz der Menschen und das Wirken Gottes braucht. Seinen Beitrag leistet er. Jetzt ist die Frage, ob ich einerseits meine Fakten beitrage und andererseits die bildreichen Gleichnisse Jesu auf mich wirken lasse und mich mal von der modernen realit√§tsorientierten Welt l√∂se und mal anders in die Welt sehe.
Das kleine Senfkorn ermuntert mich dazu die Augen anzustrengen...


Einen guten Sonntag
w√ľnscht

Rainer Gelhot
Redaktion
SonntagsImpulse.de

Das heutige Evangelium (Mk 4,26-34) lautet:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die √Ąhre, dann das volle Korn in der √Ąhre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenk√∂rnern, die man in die Erde s√§t. Ist es aber ges√§t, dann geht es auf und wird gr√∂√üer als alle anderen Gew√§chse und treibt gro√üe Zweige, so dass in seinem Schatten die V√∂gel des Himmels nisten k√∂nnen. Durch viele solche Gleichnisse verk√ľndete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen J√ľngern aber erkl√§rte er alles, wenn er mit ihnen allein war.