1073. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

das heutige Evangelium (Lk 9, 28b-36) ist voller Bilder. Total in sich verschachtelt und mit verschiedensten Verweisen auf andere Bibelstellen gespickt. Dieses Denken ist uns heute eher fremd. Vermutlich fällt uns deshalb das Lesen und Verstehen dieser Stelle so schwer.

Klar ist, dass jeder, der schon einmal auf einem hohen Berg war, sich dort dem Himmel – Gott – näher fühlt als unten im Tal. Das mag wohl ein Grund sein, warum viele Menschen ihre Ferien in den Bergen verbringen.

Dass die heutige Szene aber auf einem Berg spielt, knüpft an Mose und den Bund mit Gott an. (Ex 24, 9 ff). Es ist sozusagen die Rahmung. Damals traf Mose dort Gott – heute treffen Petrus, Johannes und Jakobus Zeugen von Gottes Herrlichkeit – ebenfalls auf einem Berg. Schon in Exodus sollte die Gottesbegegnung den Menschen Mut und Vertrauen schenken. Das Bild wiederholt Lukas mit seiner Erzählung. Er verstärkt es somit.

Die Beschreibung des sich verändernden Gesichtes Jesu macht den drei Begleitern deutlich: Er ist wirklich Gott. Die so genannte "Verklärung" zeigt: Ja, Jesus ist Gottes Sohn – ist Gott selbst. Glaubt es endlich, nach alledem, was ihr erlebt hat und zuvor auch schon zum Teil bekannt und geäußert habt. (z.B. in Lk 9, 20)

Der Schlaf der Jünger ist auch ein Bild: Man glaubte damals im Schlaf Gott/dem Göttlichen besonders nahe zu sein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Jünger einschlafen. Es geht nicht um die körperliche Erschöpfung und Erholung. Es soll gezeigt werden: Sie kommen Gott wirklich nahe.

Da braucht es dann wieder eine menschliche Regung: Der „naive“ Petrus will eine Hütte bauen, um den Moment festzuhalten. Er hat also erkannt, dass hier was besonders passiert. Blind ist er jedoch dafür, dass man es nicht festhalten kann.

Zu Bestärkung des Göttlichen kommt die Wolke mit ins Bild: Auch ein Bild, dass im Buch Exodus (EX 33, 7 – 11) vorkommt. Wie damals auch spricht Gott aus der Wolke. Die Worte lösen das zuvor beschriebene Bild auf. Es geht nicht mehr um die Vermutung. Die Wolke stellt unmissverständlich klar: Der hier ist mein Sohn! Jede Vermutung, jede Beschreibung, jedes Spiel ist zuende. Er ist es. Punkt.

Mit diesem Satz werden alle zuvor gemachten Äußerungen und Vermutungen, wer Jesus sein könnte, bestätigt.

Diesmal sollen allerdings die Jünger – und somit wir alle – diese Worte hören und beherzigen. Sie und wir sollen sich/uns entscheiden: Für Jesus und damit für Gott.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso spannende finde ich diese Stelle. Denn Lukas zeigt klar auf: Was damals begann, mit Jesus einen neuen Höhepunkt erreicht, liegt jetzt in meinen Händen fortgeführt zu werden. Damit bin ich automatisch Teil der Geschichte.Somit liegt es eben auch an mir, wie die Geschichte mit Gott, Jesus und den Menschen weitergeht.

 

Sonntägliche Grüße

Rainer Gelhot
Redaktion
www.sonntagsImpulse.de

Das Evangelium von heute (Lk 9, 28 - 36):

Es geschah aber: Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten.

Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.

Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.

Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂĽtten bauen, eine fĂĽr dich, eine fĂĽr Mose und eine fĂĽr Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.

Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten.

Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

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