1098. Sonntagsimpuls (18. August 2019)

Liebe Leserinnen und Leser,

das heutige Sonntagsevangelium ist schon irritierend und verstörend. Es will so gar nicht zu dem Jesusbild passen, das mir so vertraut und ans Herz gewachsen ist: der barmherzige, versöhnende, menschen- und friedliebende Gottessohn.

Im heutigen Evangelium sagt Jesus von sich selbst, er sei nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung.

Und das angesichts der vielen Spaltungen und Trennungen, die zurzeit weltweit zu beobachten sind. Ob in den USA, wo Donald Trump durch seine Rhetorik die Gräben zwischen Weißen und Andersfarbigen vertieft. In Polen und Ungarn, wo sexuell und politisch Andersorientierte immer weiter ausgegrenzt werden. In Russland, wo friedliche Systemkritiker brutal weggesperrt werden. Oder auch in Indien, wo der Kaschmirkonflikt erneut angeheizt wird und die Folgen unabsehbar sind.

Bei all diesen weltweiten Spaltungstendenzen nun diese Aussage von Jesus, die mich im ersten Moment ratlos zur√ľckl√§sst. Auch Jesus ein Spalter?

Ein deutliches Nein! F√ľr die Trumps, Putins und Orbans dieser Welt sind Polarisierungen und Spaltungen ein bewusst gew√§hltes Instrument des Machterhalts und des politischen √úberlebens. Nein, Jesus war kein perfider Machtmensch, der Menschen benutzt und sie gegeneinander ausspielt. Das lag ihm absolut fern. Wenn, dann k√∂nnte man ihn als einen vorausschauenden Realisten bezeichnen, dem klar war, dass seine Botschaft und der Ruf in die Nachfolge Menschen auseinanderbringen wird. Seine Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes, die die bestehenden Verh√§ltnisse und Verhaltensweisen gegen√ľber allen Schwachen, Benachteiligten, Ausgegrenzten und Minderheiten auf den Kopf stellte und zur Umkehr aufrief, erntete eben nicht nur Zustimmung, sondern auch Widerstand. Das ist so, wenn liebgewonnene Verhaltensmuster und Lebensweisen angefragt werden und ver√§ndert werden sollen. Jesus und seine Botschaft sind in einer ‚ÄěLight-Version‚Äú nicht zu haben. Daf√ľr war ihm der Mensch, vor allem der notleidende Mensch, viel zu wichtig.

Wir erleben das gerade auch in der gesamten Diskussion und Auseinandersetzung um das Thema Klimazerst√∂rung und Sch√∂pfungsverantwortung. Auch hier werden Gewohnheiten angefragt und der Ruf zur Umkehr der bisherigen Lebensweise immer deutlicher. Und auch hier gibt es in der Beurteilung der Ma√ünahmen unterschiedliche, teilweise kontr√§re Positionen zwischen Jung und Alt, zwischen den politischen Parteien, zwischen dem globalen Norden und S√ľden.

Ja, Jesu Botschaft von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch√∂pfung, damit es allen Menschen gut geht, fordert heraus, ist keine leichte Kost, ist, wie es der katholische Theologe Johann Baptist Metz sagt, wie ‚Äěein Stachel im Fleisch‚Äú.

Einen gesegneten Sonntag w√ľnscht Ihnen
Hermann Steinkamp
Redaktion
SonntagsImpulse.de

 

 

Das Evangelium von heute (Lk 12,49-53):

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J√ľngern:

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh w√§re ich, es w√ľrde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedr√§ngt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden f√ľnf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.