1090. Sonntagsimpuls (23. Juni 2019)

Liebe Leserinnen und Leser,

viele Menschen sind heute Follower. Sie ‚folgen‘ anderen Menschen in der großen weiten vernetzten Welt der ‚Social Media‘. Sie folgen auf Twitter, Instagram oder Youtube bekannten wie weniger bekannten Menschen, Politiker*innen, Musiker*innen und Schauspieler*innen oder auch sog. Influencer*innen, die ihre Meinungen und Produkte ins Netz stellen, anbieten und bewerben.

Der amtierende US-amerikanische Präsident Donald Trump hatte im April 2019 ca. 60 Millionen Follower. Sein Vorgänger Barack Obama bringt es auf über 106 Millionen. Papst Franziskus brachte es im Jahr 2018 auf 44 Millionen Menschen, die ihm via Internet folgen. Die Anzahl der Follower ist dabei immer auch ein Gradmesser für Bekanntheit und Einfluss. Wie viele Follower hätte Jesus wohl, würde er heute im Zeitalter des Internets seine Botschaft an die Frau und den Mann bringen.

Im heutigen Lukas-Evangelium geht es um Nachfolge. Es geht um die Nachfolge Jesu, um seine Follower. Diese Nachfolge ist nicht einfach durch einen Druck auf den Like-Botton zu haben. Die Nachfolge Jesu fordert heraus. Sie fordert eine klare Positionierung gegen Ungerechtigkeit und für die Unantastbarkeit der Würde aller Menschen. Sie fordert eine Haltung, in jedem Menschen auch immer ein Geschöpf Gottes zu sehen. Wer Position im Sinne Jesu bezieht, steht manchmal ziemlich allein da und bekommt die Kritik des Mainstreams zu spüren. Jesus verschweigt seinen Jünger*innen nicht, was es für sie bedeuten kann, wenn sie die Nachfolge in seinem Geist für ihr Leben ernst nehmen.

Ein aktuell erschreckendes Beispiel, wozu Nachfolge im Geist Jesu führen kann, zeigt der Fall des Kassler Regierungspräsident Walter Lübcke. Er ist vor drei Wochen Opfer eines rechtsradikalen Täters geworden. Er hatte sich auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes deutlich für die Aufnahme von geflüchteten Menschen ausgesprochen. Dies führte in den ‚Social Media‘ zu menschenverachtenden und skrupellosen Hasskommentaren gegen ihn und zu seiner Ermordung.

In den Spuren Jesu zu gehen ist nicht unbedingt leicht. Es erfordert in gewissen Situationen Mut und Zivilcourage, damit die Stimme der Mitmenschlichkeit nicht verstummt. Und den Glauben daran, dass in der Ohnmacht und Tiefe der Niederlage immer schon die Verheißung des Lebens durch Gott gegeben ist.

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Hermann Steinkamp
Redaktion
SonntagsImpulse.de

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Das Evangelium von heute (Lk 9,18-24):

In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elíja; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Christus Gottes. Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen. Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden. Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.