1116. Sonntagsimpuls - 3. Advent

Liebe Leserinnen und Leser!

In diesen Tagen bin ich in einem Adventskalender ĂŒber die Wortschöpfung „Warteschlangenfreude“ gestolpert. Ein ungewöhnliches Wort, an dem ich hĂ€ngen geblieben bin. Das Wort irritiert. Denn wer verbindet mit Warteschlangen schon die Emotion der Freude? Warteschlangen sind doch eher lĂ€stig, weil unnĂŒtz und zeitraubend. Kennen Sie auch die Wahrnehmung, dass sie immer dann in eine Warteschlange geraten, wenn sie sie eigentlich ĂŒberhaupt nicht gebrauchen können? Und dann dieses Wort „Warteschlangenfreude“. Und doch merke ich, dieses Wort gefĂ€llt mir. Denn es schlĂ€gt eine andere Seite dieses Begriffes „Warteschlange“ auf. Eine Seite, die diesen Begriff und damit auch die konkrete Situation fĂŒr mich mit einem positiven GefĂŒhl auflĂ€dt. „Warteschlangenfreude, weil mein Tun und Hasten plötzlich unterbrochen und entschleunigt wird. „Warteschlangenfreude“, weil mir Zeit gegeben ist, bewusst Menschen und Situationen wahrzunehmen. „Warteschlangenfreude“ vielleicht auch, weil sich in der Warteschlange ein nettes GesprĂ€ch ergibt.

Die Adventszeit ist eine Zeit des bewussten Wartens, des Er-Wartens. Eine Zeit der inneren Vorbereitung und Einstellung auf Weihnachten. Wir suchen neben der vorweihnachtlichen Geschenkekaufhektik ganz bewusst Momente und Augenblicke der Stille, der Unterbrechung und Entschleunigung. Weil wir innerlich ahnen, dass Weihnachten mehr ist und Weihnachten tiefer geht als die Welt der WeihnachtsmĂ€rkte. Weihnachten ist das Fest der ‚Einwohnung‘ Gottes in diese unsere Welt.

Der heutige 3. Adventssonntag hat den Beinamen „Gaudete – Freut euch!“ Es ist der Freudensonntag in der Zeit des Wartens. Er ist also verbunden mit diesem GefĂŒhl der „Warteschlangenfreude“. Dieser 3. Adventssonntag sendet die Botschaft: Das Warten wird ein Ende haben, die Verheißung ist nahe, Gott wird Mensch. Und wenn wir ganz bewusst Augen, Ohren und Herzen offenhalten, erfahren wir, wie sich Gottes Menschwerdung schon vor Weihnachten, in vielen kleinen menschlichen Begebenheiten vollzieht. Die MĂŒnzen, die in den Becher einer frierenden Frau fallen. Die Geschenke, die liebevoll gepackt werden, damit Fremde an Weihnachten nicht leer ausgehen. Der freundliche Blick im kurzen VorĂŒbergehen auf der Straße.

Freuen wir uns nicht nur an Weihnachten, freuen wir uns auch jetzt schon in dieser Zeit des adventlichen Wartens ĂŒber die vielen unscheinbaren Zeichen der göttlichen Menschwerdung.

Einen gesegneten und freudigen 3. Advent wĂŒnscht Ihnen

 

Hermann Steinkamp
Redaktion
SonntagsImpulse.de

 

 

Das Evangelium von heute (Mt 11,2-11):

In jener Zeit hörte Johannes im GefĂ€ngnis von den Taten Christi. Da schickte er seine JĂŒnger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder mĂŒssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; AussĂ€tzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkĂŒndet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge ĂŒber Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die WĂŒste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den PalĂ€sten der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg fĂŒr dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen grĂ¶ĂŸeren gegeben als Johannes den TĂ€ufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist grĂ¶ĂŸer als er.