1084. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich in Osnabr├╝ck oder anderswo durch die Innenstadt gehe, stelle ich mir immer mal wieder die Frage, wer von den Menschen, die genau wie ich in der City unterwegs sind, wohl aktiver Christ ist.
Wer ist in einem kirchlichen Chor aktiv?
Wer leitet eine Kinder- oder Jugendgruppe?
Wer engagiert sich in Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand?
Wer gibt unserer Kirche in irgendeiner anderen Art und Weise ein Gesicht?

Ich finde es schade, dass man es den Leuten nicht ansieht. Auch das Kreuz, DAS Erkennungszeichen der Christen, ist l├Ąngst kein Garant mehr f├╝r aktives Christentum. F├╝r viele Menschen ist es wohl auch nur nettes Accessoire.

Keine Sorge: Es geht mir nicht um den Abgesang auf die Kirche oder die Gesellschaft. Oder um die Bewertung von Menschen.

Es geht mir vielmehr um die Befriedigung der eigenen Neugier. Klar, ich k├Ânnte sie einfach fragen.
Oft fehlt mir dazu aber - zugegebener Weise - der Mut.
Also muss ich mit den Fragen leben oder noch genauer hinschauen. Wenn schon die ├äu├čerlichkeiten keine klare Aussage zulassen, helfen vielleicht die inneren Werte. Schaue ich genau hin, merke ich beim Gegen├╝ber vielleicht ein besonderes Wohlwollen, eine andere Art durchs Leben zu gehen, eine bestimme Sichtweise auf die Welt und die Menschen. M├Âglicherweise sind dies deutlichere Indizien f├╝r einen aktiven Christen als das Kreuz um den Hals.

Spannend: Jesus selbst hat ja seinen J├╝ngern auch aufgetragen, dass man sie an der Liebe zueinander, also an Verhaltensweisen, erkennen soll. Nicht am dicken Kreuz um den Hals, den Jesus-Latschen an den F├╝├čen oder dem permanent getr├Ąllerten Kirchenlied auf den Lippen. Keine ├äu├čerlichkeiten - Inneres z├Ąhlt.

Es hilft also erneut nichts: Ich muss mal wieder den Blick sch├Ąrfen, hinter die Fassade gucken, mich nicht von Vordergr├╝ndigem lenken lassen.

Nur dann bekomme ich raus, wer dazu geh├Ârt und wer eben nicht.

Einfach und offensichtlich geht anders. Aber davon hat Jesus ja auch nie gesprochen.


In diesem Sinne einen sonnigen und liebevollen Sonntag


Rainer Gelhot
Redaktion
sonntagsImpulse.de

Das heutige Evangelium Joh (13, 31-33a.34-35) lautet:

In jener Zeit als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.
Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.
Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine J├╝nger seid: wenn ihr einander liebt.

Das Evangelium in leichter Sprache findet sich hier