1107. Sonntagsimpuls

28. Sonntag im Jahreskreis - 13. Oktober 2019 - rg

Liebe Leserinnen und Leser unseres Sonntagsimpulses,

in der letzten Woche las ich irgendwo den Satz "Sag deinen engsten Freunden, dass sie nur noch 8 Wochen Zeit haben, um f├╝r dich den Adventskalender zu basteln!".
Ich bin aus zwei Gr├╝nden dar├╝ber gestolpert.
Der eine Grund ist ganz praktischer Natur:
Ist es echt fast schon wieder soweit, dass die Adventszeit losgeht? Gef├╝hlt bin ich doch eben erst aus dem Sommerurlaub zur├╝ckgekommen...???

Der zweite Grund ist eher ein emotionaler und tiefgehender.
Ich frage mich, ob nicht ein "unverhoffter" Adventskalender viel besser, als einer den ich mir mit dieser Erinnerung  "quasi erbettele?"
Leben viele Geschenke nicht von der Unverhofftheit und nicht so sehr von der Anlass-Bezogenheit?
Wenn ich ├╝berlege, dann geht es mir zumindest so. Mir sind unverhoffte Geschenke wesentlich lieber als dieses "Pflicht-Schenken" am Geburtstag oder zu Weihnachten. Dementsprechend w├╝rde ich mich mehr ├╝ber einen unverhofften Kalender freuen, als ├╝ber den, der dann am 01.12. kommt muss, weil ich ja den Freund oder die Freundin dran erinnert habe.
Andersrum gedacht: Mit der Erinnerung zu fr├╝her Zeit vermeide ich Stress beim Bastelnden und helfe so vielleicht mit, dass er eben entspannter starten kann.

Mich l├Ąsst aber der Kerngedanke des Unverhofften nicht los.
Unverhofft kommt oft - heisst es ja auch in einem Sprichwort.
Das trifft ich immer wieder: Wenn ich unerwartet einen tollen Abendhimmel sehe, oder unverhofft der Mond hinter den Wolken auftaucht. Oder unverhofft nette Leute kommen oder anrufen. Mir unverhofft jemand eine Tasse Kaffee auf den (Schreib-)Ttisch stellt.
All das sind mir wichtigere Momente als die erwarteten.

Unerwartet und unverhofft kam wohl auch Jesus den 10 Auss├Ątzigen entgegen. F├╝r sie eine unverhoffte und spontane M├Âglichkeit endlich Heilung zu erfahren.
Jesus bieten sie eine gute M├Âglichkeit, um erneut sein Wirken unter Beweis zu stellen.
Doch wie so oft ist es nur der sprichw├Ârtliche Bruchteil, n├Ąmlich einer von 10, der erkennt, was Jesus ihm unverhofft geschenkt hat.
Mir ist es aber zu wenig einfach zu sagen, dass die Stelle ein Beispiel f├╝r Jesu Misserfolge ist. Oder f├╝r die Undankbarkeit der Menschen.

Ich finde, das heutige Evangelium zeigt eher, dass es Menschen gibt, die keinen Blick f├╝r das Unerwartete und Unverhoffte haben. Es sind Menschen, die Hilfe oder Heilung als selbstverst├Ąndlich ansehen - nicht als Geschenk. Wie oft nehmen wir das, was uns tagt├Ąglich passiert, was wir nutzen, erleben, haben als selbstverst├Ąndlich in. Ich finde, wir sollten uns an den Samariter halten und innehalten: Sehen, sp├╝ren, merken, wie viel Unerwartetes uns geschenkt wird. Jeden Tag... immer neu...


Herzlich-sonnt├Ąglich


Rainer Gelhot

Redaktion
SonntagsImpulse.de

Das Evangelium von heute: Lukas 17, 11-19

Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galil├Ąa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Auss├Ątzige entgegen.
Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern!
Und es geschah: W├Ąhrend sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den F├╝ssen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm.
Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, ausser diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.